Die Mythologie um die Delphine beschreibt in den verschiedensten Ländern zu den unterschiedlichen Zeiten, die beeindruckende Begegnung zwischen Menschen und Delphinen. Delphine stehen nicht nur als Sinnbild für die Verbindung in eine transzendale Welt sondern sind auch als Urmutter und die Verbindung zum „Weltganzen“ zu verstehen.

 

Antikes Griechenland

In der Kultur des antiken Griechenlandes nehmen Delphine eine gottähnliche Position ein. Delphine wurden z.B. von Apollon, von Dionysos, dem Schützer der Seefahrt, von Aphrodite, die aus dem Meer geboren wurde und von Poseidon, dem Gott des Meeres als heilig gesehen. Sie stellten ein gutes Omen für Seefahrer und Fischer dar  und waren als Könige der Meerestiere ein Synonym für Klugheit, Schönheit, Intelligenz, Stärke, Menschenfreundlichkeit, Lebensfreude, Harmonie, Freiheit, Freue, Loyalität, Liebe und Musik.  In vielen dieser Geschichten wird das freundliche, entgegenkommende Wesen der Delphine hervorgehoben und die Tiere nahmen einen besonderen Platz in den Herzen der himmlischen Götter ein. Der Zorn der Götter richtete sich gegen jene, die Delphine gering schätzten oder schlecht behandelten.

Schlafzimmer der Königin von Knossos

Delphinmotive im antiken Palast von Knossos

Das Orakel von Delphi

Um das Orakel der Erdmutter Gaia durch sein eigenes zu ersetzten, kämpfte Apollon gegen Delphyne. Im griechischen Mythos ist Delphyne als ein Ungeheuer, halb Schlange, halb Frau bekannt. Durch den Sieg Apollons über Delphyne übertrugen sich delphinische Eigenschaften auf ihn und er ließ sich selbst einen Tempel bauen. Apollon selbst verwandelte sich in einen Delphin, sprang ins Wasser und lenkte ein Schiff mit Kaufleuten aus Kreta in Richtung des Tempels Delphinius.
Die Kaufleute sollten ihn, nachdem er sich ihnen zu erkennen gab,
fortan als Priester dienen und als Delphingott „Apollo Delphinios“ verehren.
Auf diese Weise kam Delphi zu seinem Namen.

Der Mythos um das Sternenbild des Delphins

Zahlreiche Legenden sind um das Sternenbild des Delphins bekannt. Eine besagt, daß der Meeresgott Poseidon sich bei der Suche nach einer Frau an einen Delphin wandte. Dem Delphin zu Ehren und Dank, der als Boten erfolgreich um die angebetete Aphrodite warb, setzte Poseidon als Sternbild in den Himmel. Eine weite Überlieferung beschreibt die Geschichte um den Lyriker Arion, der nach einer Kunstreise aus Unteritalien zurückkehrte und von korinthischen Seeleuten, die nach seinen Schätzen begehrten, ins Meer warfen. Er bat noch ein Lied an Deck zu singen. Angelockt von den schönen Tönen, kamen ihm Delphine zu Hilfe, die ihn auf ihrem Rücken sicher an Land brachten. Dort mussten die Seeleute ihre Schuld bekennten und Arion setzte zur Erinnerung den Delphin unter die Sterne.

Griechischer Totenkult

Den Delphinen war auch eine bedeutende Rolle im antiken Totenkult zugedacht. Die Hellenen nannten den Monat, in welchem sie ihrer Toten gedachten Delphinios. Delphine dienten als Begleiter der verstorbenen Seelen zu den Inseln der Seligen, dem Land der Toten.

 

Delphine im Antiken Rom

Neben den Griechen interessierten sich auch die Römer für Delphine. Zahlreiche Überlieferungen (mündlich, schriftlich, auf Kunst- und Gebrauchsgegenständen) dokumentieren die beeindruckenden Begegnungen von Mensch und Delphin, Besonders zahlreich sind jedoch Sagen und Legenden von Jungen die auf Delphinen reiten. So z.B. erzählt Plinius von einer Freundschaft zwischen einem Delphin und einem Knaben bei  Neapel. Der in einem Salzwassersee lebende Delphin brachte den Jungen jeden Tag auf die andere Seite der Bucht zur Schule. Als der an einer Krankheit verstorbene Knabe nicht mehr kam, wartete der Delphin dennoch am üblichen Treffpunkt bis er schlussendlich und zweifelsohne vor Sehnsucht starb.

Sehr häufig sind Motive des trauernden Delphins, der aus Kummer und Verlust des geliebten Menschen stirbt bzw. sich selbst zu Tode bringt.

Im Vergleich zur griechischen Mythologie, in der Delphine eine enge Verbindung zu den Göttern haben, teilen die Römer diesen Kult nicht in dem Ausmaß, sondern glaubten, das alle Dinge den Menschen dienten. Delphine zu töten war im Römischen Reich, im Gegensatz zu den Griechen, keine schändliche Tat oder Vergehen an die Götter.

Frühes Christentum

Außer in der griechischen Mythologie finden Delphine noch in der wesentlich jüngeren, christlichen Religion Platz. Diese bediente sich bei ihrer Entstehung zahlreicher bestehender Symbole und interpretierte sie für ihre Ziele und Vorstellungen. Für die Christen wurde der Delphin zum Fisch des Lebens, war Fürsprecher der Menschen und er schmückte als Zeichen der Auferstehung zahlreiche frühchristliche Grabmäler. Wie bei den Griechen Apollon erscheint auch Christus als Erlöser und als Retter der Seelen unter dem Zeichen des Delphins.

In der christlichen Mythologie sind Delphine Synonym für Schnelligkeit, Fleiß und Liebe.

Auch im Christentum begegnet man zahlreichen Mythen von Freundschaften zwischen Delphin und Mensch und ihrem teilweise tragischen Ende. So erzählt eine Legende aus dem 1. Jhdt. n Chr. (von Plutarch überliefert) von einer Freundschaft zwischen dem Jungen Hermias und einem Delphin. Der Junge ertrank jedoch bei einem der Ausflüge mit dem Delphin, worauf hin der Delphin, sich für den Tod des Knaben schuldig glaubte, den Körper des toten Knaben an den Strand brachte und neben ihm liegend mit seinem eigenen Leben büßte.

Ein weiterer Fall einer Freundschaft wird von Duris erzählt. Der Junge Dionysius ritt häufig auf seinem Delphinfreund. Doch eines Tages strandete der Delphin und starb. Alexander der Große, der von dieser Geschichte erfuhr, betrachtete die Freundschaft des Delphins als göttliche Gunst, und ernannte den Jungen Dionysius zum Oberpriester Poseidons in Babylon.

Während des Mittelalters gab es auf dem Gebiet der Delphinforschung eher Rück- als Fortschritte. Viele Legenden wurden phantastisch ausschmückt und verzerrt. Gegen Ende des 16. Jhdts. dienten Delphine v.a. als Ornamentsymbole an Möbeln oder als Wappentiere. Erst in der Renaissance fand eine schrittweise Rückbesinnung auf die antiken Vorstellung und Motive von Delphinen statt, während im Barock Delphine noch immer als Sinnbild von Wasser und Meer Zierbrunnen und Bäder schmückte.

Während das 17. und 18. Jhdts. geprägt waren von einer pragmatisch-profitorientierten Sicht der Meeressäugetiere (Walfang), nahm das Interesse an ihnen im 19. Jht  bei den Naturforschern wieder zu. Dies jedoch auch mehr aus biologischer Sicht und wissenschaftlich-analytischer Haltung.

Traumzeit der Aborigines

Begegnungen zwischen Menschen und Delphinen ist nicht nur auf den Mittelmeerraum und die Antike begrenzt sondern finden wir auch auf anderen Kontinenten zu den verschiedensten Zeit und Kulturen wieder.

Über den Mythos der Traumzeit der australischen Ureinwohner (Aborigines) finden wir auch eine enge Beziehung zwischen Menschen und Delphinen die vor allem von Ehrfurcht und Achtung gekennzeichnet ist.

Eine bekannte Erzählung aus der Traumzeit berichtet von einem Delphinweibchen (Ganadja), das einen Haiangriff überlebt, da ihm Muschelwesen im Unterschlupf Schutz gewähren. Das Delphin-Männchen wird vom Hai getötet, jedoch als Mensch wiedergeboren und von seiner ehemaligen Delphinfrau wiedererkannt. Das Delphinweibchen Ganadja wirft sich ans Ufer, verwandelt sich in eine menschliche Frau und vereinigt sich mit ihrem Mann, woraus das Volk von Groote Eylandt hervorgeht. Und nur die Nachkommen, die Ganadja im Meer zurückließ erinnern sich daran, daß Menschen die Verwandten von Delphinen sind uns suchen bis heute die Verbindung zu Menschen um mit ihnen zu spielen, wie sie es in der Traumzeit taten.

Während aus dieser Geschichte aus Delphinen Menschen hervorgingen, wurden im Mythos des Dionysos aus Menschen Delphine. Beide Geschichten nehmen jedoch an, daß das eine Geschöpf aus dem anderen hervorgegangen ist und erklären so die enge Verbundenheit.

 

 

Delphine als Helfer und Begleiter

Das Reiten auf Delphinen war ein Motiv, das auch in der Kunst beliebt war. Weit verbreitet waren Delphinstatuen mit jungen Knaben auf dem Rücken. So z.B. auch Eros, der Gott der Liebe oder die griechische Liebes- und Schönheitsgöttin Aphrodite, die ihre Ausflüge auf das Meer mit Delphinen unternahm.

Delphine waren bei den Griechen auch berühmt dafür, das sie Menschen aus Seenot retteten. In der Antike wird jedoch nicht nur von speziellen Freundschaften zwischen Menschen und Delphinen berichtet, sondern auch von Delphinen, die als Lotsen für Schiffe fungierten und von solchen, die Fischern beim Fischen halfen.

So wurden z.B. in Nimes Delphine zu einer bestimmten Jahreszeit zu Hilfe berufen um Meeräschen in die Netze zu treiben.

Eine gleichfalls göttliche Verehrung für Delphine praktizieren auch die Ureinwohner Neuseelands, die Maori. Delphine werden von ihnen in Notsituationen und als Ratgeber und Wegweiser zu Rate gezogen.

Polynesischen und Mikronesische Inseln gibt es Überlieferungen, daß Delphine Schiffsbrüche retten oder sich bei den Menschen für Gutes das man ihnen tut erkenntlich zeigen.

Insgesamt zeigt sich, daß Delphine auch in den eben genannten Ländern fast durchwegs positiv gesehen werden und ihnen etwas Mythisches, Übermenschliches anhaftet, das sie in der Vorstellung der Menschen über die Stellung anderer Tier erhebt.

Der griechische Dichter und Philosoph Oppian schreibt dazu:

„Schändlich ist es , Delphine zu jagen. Nie mehr vor die Götter treten darf der Mann, der mit Absicht ihren Tod herbeiführt. Seine Opfergaben bleiben ungeliebt. Seine Berührung vergiftet die Altäre und er besudelt alle, die unter seinem Dach leben. So sehr, wie sie das Morden von Menschen verdammen, hassen die Götter den, der Todesqual über die gütigen Herren der Tiefe bringt“.